Inner cave of calm

Zeit. Sie ist unser größter Filter. Unser größter Lehrer. Unser größter Freund. Unser größter Feind.
Sie ist unaufhaltsam und rinnt uns nur zu leicht durch die Finger.
Nichts begleitet uns so endgültig durch unser Leben und stellt uns nur allzu gern auf die härtesten Proben.
Durch unzählige Einflüsse, Vorgaben und Erwartungen lassen wir uns dazu bringen, sie mit Inhalten und Tätigkeiten zu füllen, die uns sogar unglücklich machen können, uns aufhalten, uns stressen, uns krank machen.
Je mehr Zeit wir auf diese Weise verbringen desto verbitterter glauben wir festzustellen, dass es immer unmöglicher wird etwas daran zu ändern.
Zeit in der Zukunft wirkt attraktiver. Zeit die wir neu, die wir anders gestalten können. Darauf arbeiten wir hin, dafür ertragen wir, dafür nehmen wir hin.

Es ist alt. Die Idee den Tag zu nutzen, im Jetzt und Hier zu leben. Nicht an morgen zu denken. „Carpe Diem“ schafft es auf so viele Wohnzimmerwände, auf so viele Tische in Tattoo Studios, auf so viele Bilder im Internet.
So alt dieser Ansatz, so oft benutzt, desto stärker wird er, desto mehr Gewicht und Aktualität gewinnt er.
Wir gestalten unsere Zukunft mit jedem Tag den wir haben. Wir machen so viel was wir tun für einen schöneren morgen, für ein besseres später und für ein aufregenderes bald.
Aber wann ist der Tag gekommen, auf den wir uns so gefreut haben, wann fällt der Stress endlich von uns ab, wann ist heute mehr wert als morgen?

„Die Jugend hat Heimweh nach der Zukunft.“
-
Jean-Paul Sartre

Und wenn man alt ist, sehnt man sich nach der Jugend, weil man jetzt (vermutlich) weiß wer man sein will, was man machen will, aber es ist vielleicht einfach zu spät oder es fällt einem zu schwer.

Stell dir einen Tag ohne Zeit vor. Stell dir vor du wüsstest einmal 24h lang nicht wie spät es ist. Wann gab es so einen Tag das letzte mal in deinem Leben? Wann war dir bei deinem Tun das letzte mal egal ob es Freitag- oder Sonntagabend ist? Im letzten Urlaub? Ferien? Als Kind vor dem ersten Tag im Kindergarten?
Stell dir vor es dürfte diesen Tag geben und am nächsten Tag hast du nicht dein halbes Leben verloren, weil du 3 Termine verpasst hast.
Dir könnte egal sein, wie lange du das hier wohl noch liest.
Dir könnte egal sein, wie lange du dich in einem Buch verlierst.
Dir könnte egal sein, wie lang du geschlafen hast.
Dir könnte egal sein, wie lange du spazieren warst, gefrühstückt hast, gefeiert hast, telefoniert hast etc…

Du könntest völlig unbeeindruckt davon sein, wie viel Einheiten der 24h du produktiv genutzt hast. Du könntest staunen, wie sehr du dich in einer Sache verlieren könntest, einfach nur weil du es liebst sie zu tun. Du könntest staunen, damit nicht warten zu müssen bis du mal wieder von 365 Tagen, 14 Tage am Stück „frei“ hast. In denen dann auf einmal alles passieren soll was du sonst nicht schaffst. Du würdest dich nicht ärgern wenn du für etwas länger gebraucht hast als geplant. Länger gebraucht hast als kalkuliert oder vorgesehen.
Nichts auf dieser Welt ist so perfekt. Nicht einmal Maschinen. Denn auch sie sind nur vom Menschen gebaut und programmiert. Jede Zeile Code die einen Algorithmus antreibt, ist vom Menschen geschrieben. Coding erfordert Kreativität. Künstliches Intelligenzen werden niemals so kreativ sein wie der Mensch, da sind sich führende Physiker einig. Es wird also immer Fehler geben.

Du bist du und brauchst für das was du magst und was du tust genau so lang wie du eben brauchst. Sobald etwas von außen diese Zeit kontrolliert und prüft, entsteht Stress, entsteht Frust, entsteht Unglück.
Die Zeit die wir uns geschaffen haben, schürt dies Tag für Tag und sie zeigt uns immer dann die Wahrheit wenn etwas pausiert oder zu Ende geht.
Vielleicht wurdest du schon mal krank, wenn du Urlaub hattest, oder Ferien, oder einfach ein großes Projekt zu Ende ging. Vielleicht wurdest du schon mal kraftloser, wenn du der Kündigung eines Jobs näher kamst.
Wenn ein Ende in Sicht ist, zeigen sich oft unsere wahren Gefühle und Energien und wir entdecken wie belastet, wie sehr am Limit und wie weit entfernt wir von uns selbst sind.

Wie zieht man sich daraus? Nicht jedem wird es so gehen. Nicht jeder möchte etwas ändern. Nicht jeder denkt etwas ändern zu müssen. Nicht jeder ist fähig den Ursprung eines Unglücks oder schlechten Gefühls zu erforschen und füllt diese Leere mit schönen Dingen, künstlich geschaffenen Momenten, Ablenkungen.

Ich habe einen Ort gefunden. Ich kenne ihn mittlerweile gut.
Manchmal denke ich da zu sein, habe aber doch nur einen Blick erhascht.
Er ist schwer zu erreichen, auch wenn ich den Weg genau kenne, streuen Zeit und Alltag doch manchmal ihren Nebel auf diesen Pfad und ich verpasse ihn nut zu oft.
Aber ich kann ihn dir beschreiben…

Dunkelheit.
Tiefe schwarze Dunkelheit.
Stille. Beinahe. Ein leichtes Rauschen legt sich über deine Ohren.
Ein leises Geräusch. Du hörst näher hin. Wellen. Das Geräusch von sanften Wellen, die sich irgendwo brechen.
Du bewegst dich. Aber du schwimmst nicht. Du fällst nicht. Du fährst nicht.
Du gleitest. Die brechenden Wellen erzeugen einen Hall, ein Echo. Die Wellen des Schalls scheinen sich an hohen Decken und weiten Wänden zu drehen.
Vor deinen Augen verfärbt sich die Dunkelheit in der Mitte in einen hellen Punkt. Er wird immer heller und heller. Immer größer und größer.
Du gleitest auf ihn zu. Der Punkt spiegelt sich in Wasser. Du weisst noch nicht was der Punkt genau ist.
Du erkennst warum du den Punkt sehen kannst. Ein kühler breiter Lichtstrahl fällt durch die Decke auf den Punkt hinab.
Rundherum wird das Wasser erleuchtet. Es bewegt sich. Nicht das Wasser. Etwas. Etwas im Wasser. Langsam erspähst du die Wände einer Höhle. Einer riesen grossen Höhle.
Du tauchst plötzlich an einem Ende der Höhle auf, als du alles erkennst. Die Decke der Höhle hat ein grosses Loch. Dadurch fällt Licht. Dadurch fallen die langen Arme von schönem Grün.
Es wächst entlang der Höhlenwände bis hin zum Wasser.
Plötzlich bist du da. Mitten in der Höhle.
Die gleitest auf deine Füße hinab und stehst mitten in der Höhle.
Über dir bahnt sich das Licht seinen Weg. Um dich herum ist Wasser. So tief, dass du den Grund nur erahnen kannst. Pflanzen fallen tief hinunter in das Gewölbe und suchen Halt an den Wänden dieses Ortes.
Du stehst in Mitten dieses Moment, auf einer kleinen Insel. Nur ein einzelner, glatter, kantenloser Fels findet hier seinen Platz.
Du setzt dich hin. Beobachtest. Lauscht. Erkennst Bewegungen im Wasser. Nur deine Phantasie kann beschreiben was du dort siehst.
Du nimmst 3 tiefe Atemzüge. Du schliesst die Augen.
Du bist an einem Ort, den dir keiner zeigen kann.
Ein Ort den keiner sehen kann.
Ein Ort den keiner finden kann.
Ein Ort den man nicht teilen kann.
Ein Ort zu dem man nicht gelangen kann.
Es ist ein Ort an dem man sein kann. Existieren kann.
Nur du und dein eigenes Selbst.
Wann immer du willst.
Wo immer du willst.
Du musst es nur wollen.

Schenk dir selbst etwas Zeit und setz dich.
Schliesse deine Augen.
Der Ort, du wirst dort sein.
Wenn du da bist, schließ deine Augen und lausche was du hören kannst…
Im Hier und Jetzt…

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